Alpe Adria-Radweg – Teil 6 – von Udine nach Grado

22.05.2026: Von Udine nach Grado an der Adria – das große Finale

Nach sechs abwechslungsreichen Tagen (siehe hier, hier, hier, hier und hier) stand nun der krönende Abschluss unserer Alpe Adria-Radtour bevor: von Udine bis nach Grado an die Adria. Rund 55 Kilometer lagen vor uns – nahezu ohne Steigungen. Nach den Anstiegen in Österreich und den ersten Kilometern in Italien war das ein willkommener Ausklang der Alpe Adria-Radtour.

Auf der Suche nach einem Weingut

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, den letzten Tag unserer Alpe Adria-Tour ganz entspannt anzugehen und unterwegs noch den einen oder anderen Winzer zu besuchen. Laut Karte sollte sich das erste Weingut nach etwa 15 Kilometern in der Nähe unserer eigentlichen Alpe Adria-Route befinden.

Doch manchmal kommt es anders. Nach 16 Kilometern kontrollierten wir noch einmal die Route – plötzlich war das Weingut sieben Kilometer entfernt. Wir hätten dafür also deutlich von der eigentlichen Strecke abbiegen müssen. Das wollten wir nicht. Also beschlossen wir, den Plan spontan zu ändern und einfach weiterzufahren.

Eine willkommene Pause

Nach gut zwanzig Kilometern erreichten wir schließlich ein kleines Dörfchen namens Clauiano. Ein Hinweisschild versprach einen Gutsausschank, lediglich 200 Meter von der Route entfernt. Das klang perfekt.

Es war kurz nach halb elf, der Gutsausschank nannte sich Borgo Claudius1Google Maps: Gutsausschank „Borgo Claudius“. Sie hatten gerade erst geöffnet, und wir wurden herzlich empfangen. Natürlich fragte ich sofort nach einem Orange Wine. Wir sind im Friaul. Wo, wenn nicht beim Winzer, fragt man nach Orange Wine.

Einen Orange Wine hatten sie zwar nicht im Sortiment, dafür empfahl man uns eine Cuvée aus Sauvignon Blanc und Chardonnay sowie einen reinen Sauvignon Blanc. Auch gut.

Dazu gab es reichlich Wasser – genau das Richtige, bevor wir die letzten 35 Kilometer Richtung Adria in Angriff nahmen.

Palmanova – eine Stadt wie ein Stern

Etwa vier Kilometer später erreichten wir Palmanova. Die 1593 gegründete Festungsstadt beeindruckt bis heute durch ihren nahezu perfekten sternförmigen Grundriss. Die radial angelegten Straßen führen auf die Piazza Grande im Zentrum zu. Zusammen mit den erhaltenen Festungsanlagen zählt Palmanova seit 2017 zum UNESCO-Welterbe2Wikipedia: Palmanova.

Wer etwas mehr Zeit mitbringt, sollte hier unbedingt einen Zwischenstopp einlegen. Allein die riesige sechseckige Piazza Grande im Zentrum ist einen Besuch wert.

Aquileia – auf den Spuren der Römer

Nach weiteren rund 15 Kilometern erreichen wir die Gegend um Aquileia, einen weiteren geschichtsträchtigen Ort.

Vor über 2.000 Jahren war Aquileia eine der bedeutendsten Städte des Römischen Reiches und zeitweise sogar eine der zentralen Handelsmetropolen Norditaliens. Heute erinnern beeindruckende Ausgrabungen, die zum größten Teil noch nicht systematisch gesichtet wurden3Wikipedia: Aquilea, an diese Zeit. Besonders bekannt ist die Basilika von Aquileia mit ihrem riesigen frühchristlichen Bodenmosaik, das als eines der bedeutendsten Europas gilt. Auch die Basilika von Aquileia zählt, wie Palmanova, zum UNESCO-Welterbe4Wikipedia: Basilika von Aquilea.

Leider führte unsere Alpe Adria-Tour nicht durch Aquilea hindurch, sondern in einem Bogen um Aquilea herum. Und wir haben den Fehler gemacht, nicht von der Route abzuweichen. Beim nächsten Mal wird alles anders.

Die letzten Kilometer bis ans Meer

Auf dem Weg von Udine nach Grado verändert sich die Landschaft merklich. Zunächst geht es lange durch Weinberge und Felder. Und dann, die letzten 5 Kilometer der Tour sind angebrochen, sehen wir das Meer, konkret: die Laguna die Grado. Der Radweg führt direkt über einen Damm durch die Lagune. Links und rechts glitzert das Wasser in der Sonne, Möwen kreisen über uns und eine angenehme Brise sorgt für einen Ausgleich zu den warmen Temperaturen (bis zu 28 Grad Celsius an diesem Tag). Uns umgibt nun eine ganz andere Landschaft als noch wenige Tage zuvor in den Alpen – und genau dieser Kontrast macht einen der Reize des Alpe Adria-Radwegs aus.

Ankommen in Grado

Unser Hotel, das Hotel Hannover, liegt direkt am Kopfende eines Kanales, der von der Laguna di Grado gespeist wird – eine wunderbare Lage für den Abschluss unserer Reise.

Alpe Adria-Radweg - Teil 6 - von Udine nach Grado
Ausschnitt aus dem Stadtplan von Grado (Quelle: Google Maps)

Nach einer kurzen Dusche machen wir uns zunächst auf den Weg in die Altstadt. Es gäbe sehr viel zu entdecken. Schade, dass wir nur einen Tag hier sind. Ich denke, wir kommen nochmal wieder.

Zum Abendessen kehren wir in ein offenbar sehr beliebtes Restaurant ein, etwa 50 Meter entfernt von unserem Hotel, das „In Piaseta5Google Maps: Restaurant „In Piaseta“. Ganz italienisch beginnen wir das Essen mit einem Primo Piatto, gefolgt von einem Secondo Piatto. Wie so oft in Italien unterschätzt man dabei leicht die Portionsgrößen. Wir hätten es ahnen können.

Den Abend lassen wir schließlich an der hoteleigenen Bar ausklingen. Ein Cocktail, der Blick aufs Wasser, salzige Nüsschen und das Wissen, dass wir in den vergangenen sieben Tagen eine der schönsten Radreisen Europas erlebt hatten.

Fazit

Der Alpe Adria-Radweg lebt von seiner Vielfalt. Innerhalb weniger Tage führt er von der barocken Altstadt Salzburgs über beeindruckende Alpenlandschaften, durch Kärnten und Friaul bis an die Adria. Jede Etappe hat ihren eigenen Charakter: mal sportlich, mal entspannt, mal geprägt von spektakulären Bergpanoramen, mal von Weinbergen, historischen Städten, mediterranen Landschaften oder der Nähe zum Meer.

Die letzte Etappe ist dabei weniger eine Herausforderung als vielmehr ein genussvoller Ausklang. Grado selbst ist ein reizvoller Abschluss der Tour – mit seiner Altstadt und dem maritimen Flair.

Gerade die Abwechslung der Landschaften und die vielen kleinen Eindrücke unterwegs machen den Alpe Adria-Radweg zu einer Tour, an die wir uns gerne erinnern und die ich vorbehaltlos weiterempfehlen kann.

Herzlichst, Ihr

Rolf Koch

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