Reduktionstöne im Wein – 5 Weinfehler, oder etwa nicht? Teil 3

Zwischen Feuerstein und Böckser

In Teil 3 dieser kleinen Serie zu vermeintlichen oder tatsächlichen Weinfehlern geht es um die Einschätzung von sogenannten Reduktionstönen.

Der reduktive Weinausbau erfolgt unter weitgehendem Abschluss von Sauerstoff. Man möchte so die Frische der Weine bewahren und die Primäraromen hervorheben.

Manche Winzer gehen noch einen Schritt weiter und arbeiten bewusst auf einen ganz speziellen Reduktionston hin: eine rauchige kühle Note, die an den Duft von aneinandergeschlagenem Feuerstein erinnert. Manche Weinliebhaber suchen genau diesen Ton, diesen Grip im Aroma.

Reduktionstöne können jedoch auch deutlich weiter gehen – bis hin zu Gerüchen, die an faule Eier, Kohl oder sogar Ziegenbock erinnern, daher der Name „Böckser“.

Wie kommt das und was passiert da? Und immer wieder dieselbe Frage: Weinfehler oder nicht?

Reduktiver Ausbau

Beim reduktiven Ausbau wird der Wein möglichst unter Ausschluss von Sauerstoff hergestellt. Ziel ist es, Oxidation zu vermeiden und die Primäraromen – also die typischen Frucht- und Blütendüfte der Rebsorte – zu bewahren. Dieses Verfahren ist typisch für moderne Weißweine und Rosés.

Die Umsetzung beginnt meist schon bei der Lese: Die Trauben werden kühl und zügig verarbeitet, oft unter Verwendung von Trockeneis oder Stickstoff, um Oxidation zu verhindern. Auch der Gärprozess findet unter weitgehendem Luftabschluss statt. Der Ausbau erfolgt anschließend in Edelstahltanks, die luftdicht verschlossen sind und eine präzise Temperaturkontrolle erlauben.

Was passiert chemisch?

Während der alkoholischen Gärung entstehen im Hefestoffwechsel flüchtige Schwefelverbindungen.

Kommt es zu Ungleichgewichten, kann dieser Stoffwechsel entgleisen. Die Hefe gerät sozusagen unter Stress. Stress für die Hefe kann mehrere Ursachen haben: z.B. Stickstoffmangel im Most oder eine hohe Gärtemperatur. Im Hefestoffwechsel werden vermehrt Zwischenprodukte des Schwefelstoffwechsels, insbesondere Schwefelwasserstoff, freigesetzt.

Was aus den Schwefelverbindungen wird, ist eine Frage des spezifischen Kellermanagements, sowohl beim Gärprozess, als auch beim anschließenden Ausbau des Weines. Ob ich einen besonderen Wein bekomme oder einen Stinker, ist zu einem gewissen Grad steuerbar.

Reinzuchthefen vs. Spontangärung

Verwendet man Reinzuchthefen, deren Verhalten und Nährstoffbedarf genau bekannt ist, so macht das den Gesamtprozess besser steuerbar.

Bei spontan vergorenen Weinen, also wenn die natürlichen Hefen des Weinbergs die Gärung übernehmen, ist dieser Prozess naturgemäß aufwändiger zu steuern.

Insoweit sind merkliche Reduktionstöne bei spontan vergorenen Weinen wahrscheinlicher. Gleichzeitig kann genau diese Dynamik aber auch zu besonders komplexen Weinen führen.

Reduktionstöne – Weinfehler oder nicht?

Feuerstein

Der Feuerstein-Duft ist ein gewollter Reduktionston. Hier geht es um das gezielte Arbeiten in einem Grenzbereich.

Auch dieser Duft entsteht durch verschiedene flüchtige Schwefelverbindungen, allerdings in sehr geringer Konzentration und im Zusammenspiel mit Säure, Frucht und weiteren Aromakomponenten.

Durch Dekantieren kann man hier zwar auch gewisse Verschiebungen bewirken, aber die Besonderheit, der Feuersteinduft, das Mineralische im Geschmack, bleibt weitgehend erhalten.

Diese Reduktionstöne sind also kein Fehler, sie sind ein Charaktermerkmal des Weines.

Böckser – 1

Im vorhergehenden Kapitel sprach ich von flüchtigen Schwefelverbindungen. Hier geht es insbesondere um Schwefelwasserstoff, der während des Gärprozess gebildet wird.

Da dieser flüchtig ist, kann ein Dekantieren oder sonstiges Belüften des Weines hier Abhilfe schaffen. Das heißt, ein anfänglicher Geruch nach faulen Eiern ist noch kein Killer. Das kann verfliegen.

Da diese reduktiven Töne auf einem Kontinuum von Feuerstein bis Ziegenbock gedacht werden müssen, ist es sogar durchaus möglich, dass sich nach dem anfänglichen Schwefelduft eine feinere flintige Note zeigt.

Böckser – 2

Wenn sich aber nun aus diesen Schwefelverbindungen stabilere organische Verbindungen bilden, insbesondere sogenannte Mercaptane (Thiole), dann gibt es diese stechenden Fehltöne, die nach Zwiebeln oder Knoblauch riechen.

Durch Belüften kann man auch hier gewisse Änderungen des Böckser erreichen. Der Duft mag sich etwas verändern, aber man wird ihn nicht wirklich los. Hier haben wir einen echten Weinfehler.

Fazit

Reduktionstöne im Wein – zwischen Feuerstein und Ziegenbock. Interessant sind sie allemal. Und in der heftigsten Ausprägung sind es echte Weinfehler. Unterhalb dieser Ausprägung ist es durchaus eine Frage der Vorlieben.

Herzlichst, Ihr

Rolf Koch

Thematische Links

Im-Rheingau-zuhause.de
ProWein: Reduktiver Ausbau
Weinhalle.de
Weinmarkt
WeinamLimit

Riesling Schleife Schlösserblick

Was macht die Riesling Schleife Schlösserblick aus?

Die Riesling Schleife Schlösserblick1Riesling Schleife Schlösserblick ist eine relativ leichte Tour von ca. 6,8 km Länge. Es sind etwa 135 Höhenmeter zu überwinden.

Die Tour startet in Oestrich-Winkel an der Bushaltestelle Brentanohaus und führt an zwei Schlössern (Johannisberg und Vollrads) und einer stilisierten Burg (Burg Schwarzenstein) vorbei.

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Kloster Eberbach – Riesling aus der Monopollage Wiesbadener Neroberg – mein Wein des Monats März 2026

Kloster Eberbach

Das Kloster Eberbach1Homepage Kloster Eberbach wurde im Jahr 1136 von Zisterziensermönchen gegründet. Es ist eine beeindruckende bauliche Anlage und diente als filmische Kulisse für solche Werke wie „Game of Thrones“ und „Der Name der Rose“2 VDP – Weingut Kloster Eberbach.

Die Basilika im Kloster Eberbach ist nicht zuletzt wegen der besonderen Akustik ein regelmäßiger Veranstaltungsort für Konzerte im Rahmen des Rheingau Musik Festivals.

Im Rahmen eines Besuches der Klosterschänke, die seit November 2025 unter neuer Leitung ist, nutzten wir die Gelegenheit zu einem Abstecher in die Vinothek des Kloster Eberbach.

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5 Weinfehler – oder etwa nicht? Teil 2: Depot im Glas

Worum geht´s?

In dieser kleinen Serie stelle ich fünf Besonderheiten vor, denen man beim Genuss von Wein begegnen kann. In Teil 1 hatten wir als vermeintlichen Weinfehler die Petrolnote im Duft, die bei gereiften Rieslingen auftreten kann.

In Teil 2 geht es um das Depot im Glas bei gereiften Rotweinen. Die Frage ist immer dieselbe: Weinfehler oder nicht?

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5 Weinfehler – oder etwa nicht? Teil 1: Petrolton im Riesling

Mit dem Wein stimmt etwas nicht

Das werden Sie vielleicht schon einmal erlebt haben: Sie machen eine Flasche Wein auf, schenken ein Glas ein und irgendwas ist seltsam. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Wein. Und Sie fragen sich: Handelt es sich um einen Weinfehler oder ist es schlicht eine Eigenart dieses Weines.

In dieser kleinen Serie möchte ich fünf Besonderheiten vorstellen, denen man beim Genuss von Wein begegnen kann.

Die Frage lautet dabei immer wieder: Weinfehler oder nicht?

Oder, neudeutsch gesagt: Is it a bug or a feature?

Los geht´s mit Teil 1.

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