136. wineBANKers Table mit Weingut Hiestand

Hier stehe ich – ich kann nicht anders!

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“ So sprach im April 1521, also ziemlich genau 505 Jahre vor unserer Zeit, Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms, als er seine Schriften und Thesen widerrufen sollte1Deutschland Museum Homepage.

Hiestand, der Name des Weingutes aus Guntersblum, das am 27.April 2026 beim 136. wineBANKers Table zu Gast war, bedeutet etwas Ähnliches „Hier stehe ich“.

Hier stehe ich – diesen Wahlspruch machte eine Bauernfamilie vom Zürichsee bereits im Jahre 1401 zum Familiennamen, also rund 120 Jahre, bevor es Martin Luther zugeschrieben wurde. Um 1683 siedelte die Familie Hiestand um in das Rheintal, seit 1750 sind sie in Guntersblum tätig2Weingut Hiestand Homepage.

Das Weingut Hiestand aus Guntersblum

Das Weingut Hiestand ist biozertifiziert. In aller Regel erfolgt eine Spontanvergärung der Weine ohne Zugabe von Reinzuchthefen. Der Wein wird schonend ausgebaut. Im Sinne einer umweltschonenden Weinproduktion experimentiert Gunther Hiestand bei Neuanpflanzungen auch mit pilzwiderstandsfähigen Weinen, sogenannte Piwis, um so weit wie möglich, ggf. gänzlich, auf Pflanzenschutzmittel verzichten zu können3Weingut Hiestand Homepage.

Die Stars des Abends

Gunther Hiestand, der seit 2012 das Weingut leitet, präsentierte eindrucksvolle Weißweine, die im Holzfass ausgebaut waren. Weine, die in der Regel 1 Jahr auf der Vollhefe lagen. Diese Weine brauchen etwas Zeit, um ihr geschmackliches Spektrum zu entfalten, sind aber sehr lagerfähig. Folgerichtig war der jüngste Wein aus dem Jahrgang 2022.

Den Anfang machte ein Crémant Pinot brut nature aus Pinot Blanc und Pinot Meunier (Schwarzriesling), 100% Handlese, 48 Monate Hefelager. Er wurde als Aperitif zur Begrüßung der Gäste gereicht und stimmte auf einen interessanten und lehrreichen Abend ein.

Auf den Crémant folgten vier Ortsweine aus vier verschiedenen Trauben. Alle durchweg in Handlese geerntet.

Ortswein Nr. 1 ist ein 2021-er Sylvaner Guntersblum trocken. Ein Jahr Vollhefelager, im Holzfass ausgebaut. Durch die lange Reifung im Holzfass, regelmäßig Stückfass (ca. 1.200 l) oder Doppelstückfass (rd. 2.400 l) ist der Wein bereits so klar, dass er nicht filtriert werden muss.

Ortswein Nr. 2 ist ein 2022 Riesling Guntersblum trocken, ausgebaut im Holzfass mit 6,2 Gramm Säure, die aber sehr schön eingebunden war. Laut Gunther Hiestand trägt der Kalkboden bei Guntersblum zu der sehr milden Säure bei, aber auch zu der ausgeprägten Frucht dieses Rieslings.

Der dritte Ortswein: 2022 Weisser Burgunder Guntersblum trocken, ebenfalls 1 Jahr auf der Vollhefe und zu 100% im Holzfass ausgebaut.

Als Ortswein Nr. 4 präsentierte Gunther Hiestand einen 2022 Gewürztraminer Guntersblum trocken. Ein hochinteressanter Wein. Voll durchgegoren, ein Restzuckergehalt von 0,8g/l, die Ertragsmenge liegt bei etwa 30 Hektoliter pro Hektar. Gewürztraminer aus dem Hause Hiestand haben bei Falstaff bereits 95 Punkte erreicht.

Zum Abschluss gab es einen Riesling, der sehr anschlussfähig ist, den ASIA CUBA Cosmopolitan Riesling. Eine Cuvée aus drei Jahrgängen mit 10,5% Alkohol und 15 g/l Restzucker und 6,8 g/l Säure. Ein sehr gefälliger Wein, der wunderbar zu scharfen asiatischen Gerichten passt.

Fazit:

Eine durchgängig überzeugende Auswahl von Weinen. Meine persönlichen Vorlieben liegen naturgemäß beim Riesling, gefolgt vom Sylvaner. Interessant war aber auch der Gewürztraminer mit extrem geringem Restzucker. Interessant auch die lange Lagerfähigkeit dieser Weine. Vier bis fünf Jahre nach der Lese sind sie gerade am Anfang ihrer Entfaltung, so dass von diesen Weinen noch viel zu erwarten ist.

Ganz zum Schluss

Wieder mal ein wineBANKers Table, der den Blick des Rheingauer Weinliebhabers geweitet hat für die schönen Dinge, die auch außerhalb des Rheingaus existieren, z.B. für die Kalk- und Löss-geprägten Rheinterrassen bei Guntersblum.

Herzlichst, Ihr

Rolf Koch

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