Peter-Prinzip und Intelligenztest

Das Peter-Prinzip

Vielleicht verbinden Sie Laurence J. Peter1Wikipedia: Laurence J. Peter nicht unmittelbar mit Intelligenztests. Bekannt wurde er vor allem durch das nach ihm benannte Peter-Prinzip. Kurz gesagt beschreibt dieses Prinzip die Beobachtung, dass Menschen innerhalb einer Hierarchie so lange befördert werden, bis sie schließlich die Stufe ihrer Unfähigkeit erreicht haben.

Es ist ein interessanter Ansatz. Und er lässt den Blick auf die nähere Umgebung in anderem Lichte erscheinen. Manches wird einem klarer, wenn man das Peter-Prinzip kennt.

Natürlich trifft es nicht immer zu. Viele Menschen bleiben auf der Stufe ihrer empfundenen Kompetenz, weil sie sich da wohl fühlen. Und die meisten werden auch gar nicht gefragt, ob sie aufsteigen wollen. Glück gehabt. Und dann gibt es die, die ihre Stufe der Unfähigkeit erreicht haben und trotzdem weiter befördert werden. Also, wir sehen, es gibt Ausnahmen.

Aber es ist eine interessante Denkfigur.

Das Peter-Prinzip im Alltag

Nach meiner Ausbildung zum Sparkassenkaufmann war ich eine Zeit lang als Springer im Zweigstellenbereich tätig. Ich hatte damals das Büchlein von Laurence J. Peter und Raymond Hull zum Peter-Prinzip gelesen, sah die Welt also mit anderen Augen.

Ich lernte während dieser Zeit einen stellvertretenden Zweigstellenleiter kennen. Bei unserer gemeinsamen Arbeit unterhielten wir uns über alles Mögliche – über Gott und die Welt und dies und das.

Ihm wurde mehrfach angeboten, vom stellvertretenden Zweigstellenleiter zum Zweigstellenleiter befördert zu werden. Er äußerte mir gegenüber ganz offen, dass er nicht im Traum daran denke, dieses Angebot anzunehmen. So, wie es war, war es für ihn gut. Er sah keinen Sinn darin, nun zum Zweigstellenleiter aufzusteigen. Und ich dachte bei mir: „Ah, ein weiser Mann. Er lebt im Einklang mit sich selbst.“

Meine Bewunderung für ihn war echt. Obwohl ich es auch schade fand. Ich war jung und Aufstieg war natürlich ein Thema für mich.

Ein ungewöhnlicher Intelligenztest

Doch diese Erzählung ist eigentlich nur ein Vorspiel. Worauf möchte ich genau hinaus? Was hat es denn nun mit dem Intelligenztest auf sich? Nun, man könnte sagen, dass eine Menge Einsicht, also Intelligenz, dazu gehört, sich nicht bis zur Stufe der persönlichen Inkompetenz befördern zu lassen.

Aber Laurence J. Peter hat nicht nur das Peter-Prinzip geprägt, sondern auch folgenden bemerkenswerten Sinnspruch2Leider konnte ich dafür keine eindeutige Originalquelle finden. Aber der Sinnspruch passt sehr gut zu dieser praktischen Intelligenz, die auch hinter dem Peter-Prinzip steht..

„Der beste Intelligenztest ist das, was wir mit unserer Freizeit machen.“ (Laurence J. Peter)

Medien, Aufmerksamkeit und Freizeit

In einer Zeit, in der die Suchtgefahren im Bereich „Social Media“ evident werden – nicht nur bei Kindern und Jugendlichen – finde ich diesen Intelligenztest hochaktuell. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr beschleicht mich ein gewisses Unbehagen.

Keine Startseite ohne „Top-Meldungen“, die unsere Aufmerksamkeit absaugen wollen. Es braucht regelmäßig einen echten Kraftakt oder antrainierte Ignoranz, nach dem Starten des Browsers keine der „News“ anzusehen, sondern direkt weiterzugehen zum Online-Banking, zum Email-Programm oder sonstigen durchaus sinnvoll nutzbaren Tools. Auch dies ein impliziter Intelligenztest.

Neil Postman beklagte in seinem 1986 erschienenen Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ die Infantilisierung der Gesellschaft und das Zumüllen mit Informationen. Informationen, die zunehmend in Bildsprache und emotionalisierender Darstellung angeboten wurden. Die Thematik ist also seit 40 Jahren in der populären Literatur bekannt.

Gehen wir weitere 20 Jahre zurück. Da prägte Marshall McLuhan den Begriff „The Medium is the Message“. Die Kernaussage, so, wie ich sie verstanden habe, ist: Lasst euch nicht von den schönen Informationen beeindrucken, sondern passt auf, was das Medium mit euch macht3Einen ersten Zugang zu diesen Ideen von Marshall McLuhan findet man z.B. in Kapitel 2 des Buches „Was das Valley denken nennt“ von Adrian Daub.

Das Medium okkupiert unser Leben.
Es beansprucht unsere Zeit.
Es raubt unsere Zeit.

Ein Gedanke, der bleibt

Ich weiß nicht, ob Laurence J. Peter bei diesem Sinnspruch speziell den Medienkonsum im Blick hatte. Vielleicht dachte er dabei mehr an ganz konkrete Tätigkeiten, die der Einzelne in seiner Freizeit vornimmt und die mal mehr, mal weniger intelligent wirken.

Wie er es auch gemeint haben mag, ob im Großen oder im Kleinen, auf der übergeordneten Betrachtungsebene oder ganz konkret. Dieser Sinnspruch gibt wirklich zu denken.

„Der beste Intelligenztest ist das, was wir mit unserer Freizeit machen.“ (Laurence J. Peter)

Ich wünsche Ihnen interessante Gedanken und weitreichende Erkenntnisse.

Herzlichst, Ihr

Rolf Koch

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    Leider konnte ich dafür keine eindeutige Originalquelle finden. Aber der Sinnspruch passt sehr gut zu dieser praktischen Intelligenz, die auch hinter dem Peter-Prinzip steht.
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    Einen ersten Zugang zu diesen Ideen von Marshall McLuhan findet man z.B. in Kapitel 2 des Buches „Was das Valley denken nennt“ von Adrian Daub

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